Sergios komplette Rede aus der Rothausarena

Foto: Jürgen Tittel

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„Hallo liebe Anwesenden!

Wir sind uns in der Fraktion zu diesem Thema auch nicht ganz einig. Meine Rede wird dennoch pro ausfallen, da es meiner persönlichen Meinung mehr entspricht, und weil der Großteil unserer Fraktion auch eher pro Wolfswinkel ist. Ähm – damit meine ich natürlich nicht die Organisation „Pro Wolfswinkel“, sondern wir sind für den Wolfswinkel, auch als Standort für das SC Stadion.
Ganz oberflächlich gesehen kann man die Stadiongegner in zwei Hälften teilen: Der wohl größere Teil sind diejenigen, die gar nichts gegen den Standort Wolfswinkel haben, denen allerdings die Ausgaben der Stadt zu hoch sind. Das ist eine nachvollziehbare Sorge, die sicherlich allen Fraktionen, von denen viele zu diesem Thema gespalten sind, am meisten Bauchschmerzen bereitet. Dennoch sage ich, dass sich diese Investition lohnt und dass das deutlich größere finanzielle Risiko davon ausgehen würde, kein Stadion zu bauen. Von der Infrastruktur profitiert jeder Freiburger und viele Komponenten waren sowieso von der Stadt geplant. Dank dem Stadionbau bekommen wir voraussichtlich 11 Millionen vom Land dazu, die quasi geschenkt sind, von denen wir als Stadt nur profitieren. Solange der SC Freiburg nicht lange Zeit in der 3. Liga spielt, wovon nicht auszugehen ist, kostet die Bürgschaft für das Stadion die Stadt Freiburg keinen Cent. Außerdem kann man die insgesamt 30 Millionen, bestehend aus dem Eigenkapital des SC und dem Sponsoring von Rothaus, von den Gesamtkosten des Stadions abziehen. Wenn man jetzt noch bedenkt, was ein Fußballstadion für das Image einer Stadt bedeutet, für ihren Tourismus und Standing, nicht nur in Deutschland, sondern Europaweit, dann muss man einsehen, dass ein neues Stadion mehr Geld einbringt, als dafür ausgegeben wird. Zusätzlich sollte man nicht vergessen, dass der SC Freiburg nicht nur größter Sympathieträger Freiburgs, sondern auch einer der größten Steuerzahler ist.

Foto: Jürgen Tittel

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Soviel zum Geld. Es gibt auch viele Stimmen, die sich aus persönlichen Gründen gegen das Stadion stellen, nicht aus finanziellen. Meist sind es besorgte Anwohner, oft auch Segelflieger oder Fallschirmspringer die persönlich betroffen sind. Was die Anwohner angeht, so muss ich ihnen wirklich sagen, dass es egoistisch wäre zu behaupten, ein Standort der 400 Meter von der nächsten Wohnbebauung weg ist sei unzumutbar, während der alte Standort, der nicht mal 40 Meter vom nächsten Wohnhaus weg ist, wunderprima sei. Diese „Ja, aber nicht in meinem Vorgarten“ Mentalität kann man am Stammtisch ausleben, aber bitte nicht in der Politik. Bürger am Wolfswinkel sind nicht weniger und nicht mehr wert, als Bürger in Littenweiler.
Da der Flugzeugbetrieb, insbesondere Organtransporte, weiterhin fortgesetzt werden kann, sehe ich auch hier kein Problem, dass größer wäre, als Probleme, die bei anderen Standorten auftauchen. Jetzt mal ehrlich: wer Segelfliegen kann, der kann auch die halbe Stunde fahrt nach Bremgarten in Kauf nehmen. Wer das nicht will, der sollte auch nicht fordern, dass das Stadion außerhalb der Stadt gebaut werden soll.
Standorte außerhalb der Freiburger Gemarkung wären ohnehin ein Schuss ins Knie, weil der SC wie gesagt einer der größten Freiburger Steuerzahler ist. In den letzten vier Jahren gingen jährlich 2,4 Millionen Steuern direkt an die Stadt Freiburg. Das sind 800.000 mehr, als die Stadt für Breitensport ausgibt. Wer also sagt, man soll Breitensport statt Profisport fördern, muss für die Förderung des SC Freiburgs sein, da dessen Steuereinnahmen den Breitensport komplett finanzieren können.
Zudem ist der SC Freiburg ohnehin einer der Vereine, die am besten wirtschaften, da er einer der wenigen Vereine ist, die seit Jahren wirtschaftlich stabil sind, und nicht verschuldet. Das, obwohl er mit Freiburg einen industriearmen Standort hat und keinen großen Industriechef, der ihm den Rücken deckt, wie bei Hoffenheim oder Werksvereinen, wie Wolfsburg und Bayer Leverkusen.

Foto: Jürgen Tittel

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Wie aber schafft der SC Freiburg das? Abgesehen von intelligentem Umgang mit Geld, vor allem durch Jugendförderung. Die Freiburger Fußballschule ist landesweit als eine der besten bekannt. Der SC hat die Fußballschule mit einem Eigenanteil von drei Viertel quasi selbst auf die Beine gestellt, und hat dank den Nachwuchsspielern 2005 das jüngste Profiteam unter den Erst- und Zweitligisten aufgestellt. 2012 setzte der SC Freiburg acht seiner ehemaligen Fußballschüler in der Bundesliga ein. Mehr als jeder andere! Diese Jugendförderung ermöglicht es dem SC, positiv zu wirtschaften, da er keine teuren Spieler kaufen muss, sondern eigene trainiert.
Neben dem Füchsleclub und der Fußballschule mit 10 Jungendmannschaften, ist auch das Fanprojekt ein Vorzeigemodel der Jugendförderung, welches sich über das gemeinsame Hobby Fußball hinaus auch mit gesellschaftliche Themen beschäftigt, und sich zum Beispiel gegen Rassismus einsetzt. Ohne ein Stadion, kein SC. Ohne SC, Verluste in Wirtschaft, Zerstörung von Sozialstrukturen, insbesondere junger Menschen. Jeder andere Standort zieht mehr Nachteile mit sich als dieser. Ihr habt es in der Hand: Am ersten Februar für ein Stadion stimmen!“

Sergio Schmidt (Stadtrat Junges Freiburg), Bürgerinformationsveranstaltung SC-Stadion Neubau, Rothausarena Freiburg, DO 04.12.2014