JETZT eine attraktive Nacht- und Subkultur für Freiburg!

Die Unterstützung von Kulturschaffenden ist uns ein besonderes Anliegen. Insbesondere der Bereich jenseits einer vermeintlichen Hauptkultur bedarf besonderer Zuwendung. Gemeint ist hier unter anderem die Band-, Pop-, Club- bzw. Alternativkultur, Graffiti und Streetart. Eben jener Sektor von Kunst und Kultur, der sich abseits der althergebrachten Plattformen wie Theaterbühnen, Opernhäuser und Museen abspielt.
Diese Subkultur strebt nicht nach Kommerz und musste sich, anders als die oftmals hinreichend geförderte Hauptkultur, innerhalb der marktwirtschaftlichen Verhältnisse arrangieren. Die Tendenz zur Selbstausbeutung wurde zunehmend selbstverständlich. Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf.

Die Subkultur hat neben einem ideellen Mehrwert auch einen handfesten, finanziellen Mehrwert für das Geschäftsmodell einer Stadt wie Freiburg. Dieser wurde bislang seitens der öffentlichen Wahrnehmung der Verantwortungsträger nicht hinreichend erkannt und gewürdigt. Institutionelle Förderungen erhielten bislang vor allem Kultureinrichtungen der traditionellen Sparten. Das Wegfallen von alternativen Kulturflächen, oftmals verkürzt auf den Begriff “Clubsterben”, stellt für Freiburg ein ernsthaftes Problem dar.

Ganz grundsätzlich ist das Angebot im Nachtleben bei der Wahl der Universitätsstadt für Studierende, neben der Qualität der Hochschule und der Bezahlbarkeit des Wohnraumes, das entscheidende Kriterium.

Liveclubs, Bars und Szenetreffs sind nichts weniger als Kulturflächen. Sie sind zudem Orte der Sozialisation. Dort wird sich ausgetauscht, ausprobiert, neues gesponnen und umgesetzt – niedrigschwellig, offen und ohne Denkverbote.

Nun ist das “Clubsterben” kein Freiburg-spezifisches Phänomen, das Ausgehverhalten der Menschen hat sich europaweit geändert.  Doch es gibt handfeste Gründe, warum es uns in Freiburg besonders schwer trifft. Vieles ist zurückzuführen auf den knappen Wohnraum. Die Kaufkraft in Freiburg leidet unter den zu hohen Mieten. Da die BAföG-Sätze nicht mit der Mietpreisentwicklung Schritt hielten, bleibt den Studierenden immer weniger Geld, um am abendlichen Geschehen teilzunehmen. Den Kleinkünstler*innen und Gastronomen fehlen auf der anderen Seite genau diese Umsätze.

Letztlich kann es sich Freiburg nicht leisten, gerade unter den genannten, verschärften Voraussetzungen, seine Attraktivität auf’s Spiel zu setzen. Das Erfolgsmodell Freiburgs kann auch in Zukunft nur gelingen, wenn Freiburg jenseits der vermeintlichen “Hauptkultur” weiterhin etwas zu bieten hat. Daher erachten wir Investitionen der öffentlichen Hand in die Subkultur nicht nur in schwierigen Zeiten als geboten und sinnvoll, sondern verstehen sie grundsätzlich auf Augenhöhe mit den althergebrachten Kultursparten. Subkultur ist nicht das Anhängsel einer vermeintlichen Hauptkultur. Sie ist auch Kultur.

Beteiligung von Kulturschaffenden in Entscheidungen der Verwaltung

Es gibt viele Menschen in Freiburg, die durch ehrenamtliche Arbeit und leidenschaftlichen Einsatz unkommerzielle Veranstaltungen planen und realisieren, um die kulturelle Vielfalt in der Stadt zu bereichern. Diese Arbeit gilt es wertzuschätzen. Der Mehrwert der für die kulturelle Landschaft in Freiburg dadurch entsteht ist immens, die Kosten welche von der Stadt getragen werden müssen  jedoch gering bis nicht existent. Vereine und Gruppen, die sich als Repräsentanten einer lebendigen Kulturszene verstehen, wie z.B.: Multicore e.V., der Verein zur Erhaltung und Förderung der Pop- und Clubkultur e.V (i.G.), Bretterbude e.V. und IG Subkultur müssen in kulturpolitische Entscheidungen und Prozesse mit einbezogen werden. Dies würde für eine Demokratisierung und eine Effektivitätssteigerung der Kulturverwaltung sorgen, da Menschen, die näher an den Szenen dran sind, an der Entscheidungsfindung beteiligt werden würden. Somit würden jene, die von solchen Entscheidungen am meisten betroffen sind, diese mittragen und gestalten. Zudem kennen Vertreter*innen genannter Gruppen einen Großteil der Probleme, Wünsche und Anliegen die in den verschiedenen Szenen kursieren. Wenn sie stärker in die Entscheidungsprozesse involviert wären, könnten sie als Sprachrohr der Szenen dienen und die verschiedenen Interessen bündeln, politische Forderungen aufstellen und Probleme und Anliegen direkt in die Verwaltung tragen, wo sie kooperativ an deren Lösungen mitarbeiten könnten. Beide Parteien könnten somit von den Kompetenzen der jeweils anderen Partei profitieren und effektiver arbeiten.

Die Stadt für Großveranstaltungen öffnen

Großveranstaltungen wie Festivals, Open-Air-Konzerte und ähnliches sind attraktive Events, welche in einer Großstadt wie Freiburg stattfinden sollten. Während das Zeltmusikfestival zwar für viele Freiburger*innen eine beliebte Großveranstaltung ist, stehen neuen Konzepten, die gerade auch von  der Begeisterung Jugendlicher getragen werden und gegebenenfalls andere Zielgruppen ansprechen, hohe bürokratische Hürden der Stadt entgegen. Daneben behindern Anwohnerbeschwerden die Etablierung einer auf mehr Vielfalt ausgelegten Festivalkultur in Freiburg. Es müssen Konzepte erarbeitet werden, welche es ermöglichen, unter Beachtung der Interessen der verschiedenen Nutzer*innengruppen in der Stadt, Großveranstaltungen und Veranstaltungen unter freiem Himmel durchzuführen.

Erhalt bzw. Ersatz für die Kulturfläche White Rabbit

Mit der Schließung des White Rabbit bricht der Pop- und Subkultur eine weitere Säule der Existenz weg. Die Lage der alternativen Kulturszene wird damit enorm verschlechtert . Eine der wichtigsten Plattformen für Nachwuchsförderung der Stadt fällt ersatzlos weg. Zudem verschwindet der letzte Raum in der Freiburger Innenstadt, der es Veranstalter*innen auf niederschwellige Art und Weise ermöglicht, selbst Konzerte und Partys zu planen und umzusetzen. Wir fordern eine institutionelle Förderung für Vereine wie den Verein zur Erhaltung und Förderung der Pop- und Clubkultur e.V. welcher ein Betriebskonzept zum Erhalt der Kulturfläche ausgearbeitet hat. Solch eine Förderung würde die Kulturfläche erhalten und für die Zukunft sichern. Falls die Räumlichkeiten nicht erhalten werden können, muss ein Ersatz gefunden werden.

Planung und Bau des Musiker*innenhauses unter Mitbeteiligung von Akteuren aus der Live-Musik-Szene

Um den Verlust der Proberäume auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs zu kompensieren, braucht es dringend neue Räume. Seit dem Abriss ist Seitens der Stadtspitze  nichts in dieser Hinsicht passiert. Die erdrückende Raumnot für Bands und Künstler*innen ist ein Zustand, der nicht weiter hinnehmbar ist. Deswegen unterstützen wir das Vorhaben des Baues eines Musiker*innenhauses. Jedoch muss gewährleistet sein, dass aktive Mitgestalter*innen der Live-Musikszene mit in die Planung der Räumlichkeiten einbezogen werden. Ohne diese Beteiligung ist das Risiko groß, dass der neue Bau unzureichend geplant und den Anforderungen von Musiker*innen nicht genügen wird. Das Musiker*innenhaus soll ebenfalls eine Veranstaltungshalle enthalten.

Gaststättenkultur fördern

Gaststätten sind Kulturflächen, deren Situation zunehmend schwieriger wird. Der Gaststättenkontrolldienst ist eine repressive Maßnahme und schränkt die Gaststättenkultur in Freiburg ein. Wir setzen uns für eine Abschaffung des Gaststättenkontrolldienstes ein.

Gaststättenbetreiber*innen müssen durch weniger und einfachere Regeln bei der Betreibung unterstützt werden, zum Beispiel durch den Abbau von Bürokratie und der Gründung neuer Gaststätten.

Graffitikunst

Wir fordern, dass weitere Flächen, wie zum Beispiel unter der Ochsenbrücke und unterhalb der Autobahnbrücken im Stadtgebiet für legale Graffiti geöffnet werden. Außerdem zählt Graffitikunst auch zur sogenannten Kunst im öffentlichen Raum. Bei der Konzeption von Kunst im öffentlichen Raum muss sie deshalb stärker berücksichtigt werden, zum Beispiel an städtischen Gebäuden.

Ausweitung der Stelle des/der Popbeauftragten

Die Einführung der Stelle des Popbeauftragten ist ein guter erster Schritt in die richtige Richtung. Um die Fülle von Anforderungen aus verschiedenen Szenen, welche dem Popbeauftragten angetragen werden, zu erfüllen braucht es eine Ausweitung dieser Stelle um mindestens eine weitere Halbtagsstelle. Die neu geschaffene Stelle würde sich auf Belange der Clubszene konzentrieren, was zu einer Entlastung des Popbeauftragten einerseits und zu einer Förderung von Playern aus der Clubszene andererseits führen würde.

Schaffung einer “Nachtbürgermeister*innen”-Stelle

Die Tätigkeiten einer*s Nachtbürgermeister*in, nach Mannheimer Vorbild, sollen ein reibungsloses Nachtleben ermöglichen. Dabei muss das Amt zwischen Bar- und Clubbesitzer*innen, Gästen, Anwohner*innen und der Politik vermitteln. Das Ermitteln von Problemen aller beteiligter Parteien und das Finden von praktikablen Lösungen, stellen dabei die zentralen Aufgaben dieses Amtes dar. Die Stadtverwaltung hat es bis dato nicht geschafft, ein praktikables Konzept für ein Mediationsverfahren zwischen Vertreter*innen der verschiedenen Nutzer*innengruppen in der Innenstadt zu erarbeiten. Solch eine Stelle kann Abhilfe schaffen, indem sinnvolle Konzepte für die Lösung und Entschärfung der Lärmproblematik in der Innenstadt erarbeiten werden. Gerade in Freiburg, wo die Lage für unkommerzielle bzw. alternative Kulturschaffende immer katastrophaler wird, Gaststättenbetreiber unter den repressiven Maßnahmen des Gaststättenkontrolldienstes leiden und die Debatte um die Lärmproblematik, durch fehlende Mediationsverfahren seitens der Stadtverwaltung, nicht adäquat geführt werden kann, könnte solch eine Stelle zu dringend benötigten Verbesserungen in allen genannten Bereichen beitragen.

Abschaffung der Sperrstunde

Ein Großteil der innerstädtischen Lärmproblematik ist dem Fakt geschuldet, dass aktuell alle nachtaktiven Bürger*innen gleichzeitig um 05:00 Uhr morgens aus den Clubs und Diskotheken vertrieben werden. Dies ist der Sperrstunde geschuldet, die in Freiburg von 05.00-06.00 Uhr angesetzt ist. Wenn alle nachtaktiven Bürger*innen gleichzeitig auf die Straße geschickt werden, ist es in keiner Weise überraschend, dass vermehrt Menschengruppen den Heimweg antreten. Aufgrund fehlender Infrastruktur muss dieser Weg des Öfteren zu Fuß bewältigt werden. Das Unterhaltungen die auf dem Heimweg geführt werden, zum innerstädtischen Lärm beitragen, liegt auf der Hand. Deshalb fordern wir eine Abschaffung der Sperrstunde. Die Besucherströme die sich auf den Heimweg begeben würden somit auf mehrere Stunden verteilt werden, was für eine Entspannung der Lärmproblematik in der Innenstadt sorgen würde.