JETZT bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen und Familien schaffen!

Die prekäre Situation auf dem (Miet-)Wohnungsmarkt ist eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre für Freiburg. Die Mieten sind in Freiburg in den letzten Jahren durchgehend gestiegen und mittlerweile gehören Freiburgs Mietwohnungen zu den teuersten in Deutschland. Die Wohnungsnot ist vor allem für Familien und Menschen mittlerer und niedriger Einkommen ein oft existenzbedrohendes Problem. Auch Studierende finden in Freiburg häufig nicht oder nur stark verspätet bezahlbare Wohnungen. Dass Studierende Anfang der Wintersemester mangels Wohnraum in Notunterkünften des Studierendenwerks unterkommen müssen, ist inzwischen keine Ausnahme mehr. Eine Stadt in der Krankenpfleger*innen, Studierende, Angestellte im öffentlichen Dienst oder ganze Familien keine bezahlbare Wohnung finden, verliert langfristig für uns alle an Attraktivität. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Aufgrund des tatsächlichen Mangels an bezahlbaren Mietwohnungen ist auch in Zukunft mit steigenden Preisen zu rechnen. Deshalb eine Entlastung des Wohnungsmarkts dringend notwendig.

Nachverdichtung und neue Baugebiete

In bestehenden Stadtteilen müssen freie Flächen bebaut werden. Nachverdichtung soll durch Dachgeschossaufstockungen, Anbauten und Flächenneuordnung erreicht werden.

Außerdem ist es nötig, neben dem bisher geplanten neuen Stadtteil Dietenbach und neuen Baugebieten wie Stühlinger Kleineschholz oder Zähringen Nord weitere Flächen zur Bebauung auszuweisen. All dies ist neben Leerstands- sowie Ferienwohnungsbekämpfung unerlässlich, um den hohen Preisdruck auf dem Freiburger Wohnungsmarkt zu dämpfen.

Neue Baugebiete müssen immer mit mindestens 50% geförderten Mietwohnungen und einem hohen Anteil an Wohnungen durch Freiburger Stadtbau und anderen gemeinwohlorientierte Organisationen realisiert werden. Konkrete Vorschläge für neue Baugebiete sind die Günterstäler Wiesen, sowie weitere Flächen der Projektgruppe Wohnen. Hinsichtlich der 50% geförderten Mietwohnungen ist uns wichtig, dass eine maximale Bindungsdauer angestrebt wird, um die Bezahlbarkeit der Wohnungen langfristig zu sichern.

Bei Nachverdichtung und der Ausweisung von neuen Baugebieten ist uns die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen besonders wichtig, denn wo nachverdichtet und gebaut wird, müssen auch neue Angebote und Freiräume für die neuen Bewohner*innen geschaffen werden. Eine Kinder- und Jugendbeteiligung hilft, die Aktionsraumqualität in der Nachbarschaft zu verbessern.

Ein neuer Mietspiegel

Der bisherige Freiburger Mietspiegel stellt nur die gewogenen Durchschnittspreise der neuen Mietverträge da. Da neue Mietverhältnisse meistens einen Preisaufschlag zu dem bisherigen Mietverhältnis beinhalten, führt dies zu einer automatischen Steigung der Durchschnittspreise im Mietspiegel. Dies ist ein elementares Problem, da sich die Mietpreise der Freiburger Stadtbau am Mietspiegel orientieren. Dies führt dazu, dass die Mieter*innen der Stadtbau im Laufe der Jahre eine automatische Mieterhöhung erfahren. Es wird also eine neue Methode zur Messung und Erfassung der Mieten benötigt. Ein Alternativvorschlag ist ein Mietspiegel, der sich an den Preisen der bestehenden Mietverhältnisse orientiert. Diese Forderung soll der Oberbürgermeister im Städtetag und gegenüber der Landes-  Bundes und Europa-regierung vertreten. Außerdem soll die Stadt eigenmächtig die Bestandsmieten nach dem Verfahren des Mietspiegels erheben und veröffentlichen.

Neuordnung der Freiburger Stadtbau

Wir fordern, dass sich der Stadtbau auf seine Kernkompetenz, der Vermietung von gefördertem Wohnraum, konzentriert.  Es ist unser Ziel, die Bestände der städtischen Wohnungsgesellschaft FSB auf circa 15 bis 20 Prozent aller Mietwohnungen in Freiburg auszuweiten. Durch diesen gemeinschaftlichen Besitz von Wohnungen können langfristig günstige Mieten gesichert werden.

Neuer Stadtteil Dietenbach

Der neue Stadtteil Dietenbach soll einen erheblichen Teil des dringend benötigten Wohnraums schaffen und es wird ein Stadtteil der sozialen Vielfalt. Dies kann nur gelingen, wenn in Dietenbach ausreichend bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird, da genau dies in Freiburg Mangelware ist. Die Einhaltung der vom Gemeinderat festgelegten Quote von 50% gefördertem Mietwohnungsbau in Dietenbach hat somit höchste Priorität für diese Stadtentwicklungsmaßnahme. Neben 50% geförderten Mietwohnungen sollen auch weitere bezahlbaren Wohnungen z.B. in Hand des Studierendenwerks, des Universitätsklinikums Freiburgs, verschiedener Genossenschaften, Baugruppen, Mietshäusersyndikate und weiteren gemeinwohlorientierten Trägern entstehen.

Des Weiteren soll der neue Stadtteil besonders Kinder- und Jugendgerecht werden. Hierzu können Verbesserungspotentiale aus dem Stadtteildetektive-Projekts des Kinderbüros, aus einer ohnehin erforderlichen Neuauflage der Kinderstudie und durch vernünftige Möglichkeiten zur Mitbestimmung durch Jugendliche identifiziert werden. Laut unserer Umfrage an verschiedenen Schulen möchten Schülerinnen und Schüler, dass der neue Stadtteil Bolzplätze, Unterkünfte für Obdachlose, eine Bücherei, ein nahegelegenes Schwimmbad oder Badesee und gratis WLAN hat.

Ebenfalls wünschenswert ist die Klimaneutralität des neuen Stadtteils. Dazu erforderliche Maßnahmen wie hohe Energiestandards der Gebäude oder flächendeckende PV-Anlagen sollten jedoch nicht im Konflikt mit den ökonomischen und besonders den sozialen Zielen Dietenbachs stehen. Die Stadtverwaltung beruft sich diesbezüglich auf Studien, nach denen die Mehrkosten durch hohe energiestandards unwesentlich sind (+1-2%). Wir sind jedoch auch der Meinung, dass wir als Stadt notfalls zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen müssen um solche Maßnahmen umzusetzen, ohne dabei die Flächen-, Kauf- und Mietpreise zu erhöhen.

Die vorgesehene Schule im Dietenbach sollte nach unserer Auffassung eine Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe von der 1. bis zur 13. Klasse sein. Die Gemeinschaftsschule ist die Schulart, mit der das Ziel der sozialen Vielfalt und auch die Inklusion am besten erreicht werden können. An der Gemeinschaftsschule sind alle Bildungsabschlüsse möglich. Dabei wird jedes Kind individuell gefördert. Barrieren und soziale Ungerechtigkeit, wie sie durch das mehrgliedrige Schulsystem aus Gymnasien, Real-, Werkreal- und Sonderschulen erschaffen werden, sind das Gegenteil einer sozialen Vielfalt im neuen Stadtteil Dietenbach.

Soziale Erhaltungssatzung

Zusätzlich zur Schaffung neuen Wohnraums ist die Erhaltung von bezahlbarem Wohnraum wichtig. Teure Renovierungsmaßnahmen, die langjährigen Mietern ihre Wohnungen unbezahlbar machen, sind bis auf Ausnahmen zu vermeiden. Wir möchten deshalb vom Mittel der sozialen Erhaltungssatzung gebrauch machen, z.B. im Fall der Abriss- und Neubauankündigung in der Quäkerstraße.

Azubi-Wohnheim

Neben den Freiburger Studierenden sind von der Wohnungsnot auch Auszubildende betroffen. Dabei leiden nicht nur die Azubis selbst, sondern auch die Betriebe. Viele Betriebe haben ohnehin schon mit schwerem Nachwuchsmangel zu kämpfen. Eine Wohnungssituation wie die in Freiburg verschärft dieses Problem zusätzlich.

Daher setzen wir uns neben dem Ausbau der Studierendenwohnheime für den Bau von Auszubildenden-Wohnheimen ein. Diese würden Auszubildende entlasten und die Standortattraktivität für Unternehmen stark fördern. Eine Kooperation mit den Betrieben sowie eine sozial-pädagogische Betreuung für junge Azubis wären zudem wünschenswert. Als Träger eines Azubi-Wohnheims käme beispielsweise die Freiburger Stadtbau in Frage.

Neben den Vorteilen bei der Wohnungssuche bietet ein Azubis-Wohnheim in richtiger Gestaltung eine Plattform zur Vernetzung Auszubildender verschiedener Fachrichtungen sowie eine Basis für Politikgestaltung und Teilhabe an politischen Prozessen sowie der dafür benötigten Bildung und einem Hintergrundnetzwerk.